Grenzgänger der Schulmedizin
Diese Menschen sind Ärzte.
Und Alternativheiler.
Sie fühlen sich auf beiden Seiten zu Hause.
Und erleben endlich eine Medizin, die den ganzen Menschen erreicht.
erschienen in: stern Gesund Leben 11/2007
Text: Birgit Schönberger und Rüdiger Braun
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IMOGEN DALMANN und MARTIN SODER
Allgemeinmediziner und Leiter des Berliner Yogazentrums
“Uns hat schon während der Ausbildung die Frage bewegt, wie man Menschen aktiv an ihrem Heilungsprozess beteiligen kann. Auf diesem Auge ist die Schulmedizin, die ansonsten Großartiges leistet, leider blind. Die Patienten werden in die Passivität gedrängt und haben kaum Möglichkeiten, sich einzubringen.
Deshalb haben wir gleich nach der Facharztausbildung 1987 eine Privatpraxis gegründet und setzen seitdem Yoga therapeutisch ein. Gleich im Erstgespräch machen wir klar, dass wir nicht ,die Gesundmacher sind’ und auch Yoga seine Grenzen hat. Wer zu uns kommt, sollte bereit sein, über einen längeren Zeitraum täglich etwa 20 Minuten Yoga zu praktizieren. Nur dann kann die Praxis ihre wohltuende Wirkung entfalten.
Drei Viertel der Menschen, die ins Berliner Yogazentrum kommen, sind krank und möchten selbst dazu beitragen, wieder gesund zu werden. Manche haben auch das Ziel, ihre Krankheit zu akzeptieren und besser damit zu leben. Eine Diabetikerin zum Beispiel wird wahrscheinlich nie ohne Insulin auskommen, trotzdem kann sie ihre Lebensqualität so steigern, dass sie sich heil fühlt mit der Krankheit. Das gesamte allgemein medizinische Spektrum von Rückenbeschwerden über Magenschmerzen, Allergien, Migräne bis zu Burnout ist bei uns vertreten. Nach einer ausführlichen Konsultation entwickeln wir ein iindividuelles Übungsprogramm, das an die Beschwerden, körperlichen Möglichkeiten und Ziele des Patienten angepasst ist und über fünf Termine hinweg immer wieder überprüft und verändert wird. Die gleiche Übung kann für den einen gut sein und bei einem anderen gar nichts bewirken oder ihm sogar schaden. Was uns am Yoga fasziniert hat, ist die große Bandbreite der Möglichkeiten von schweißtreibendem Bodywork bis zu meditativen Atemübungen. In der therapeutischen Arbeit ist das ein unglaublicher Schatz. Mit kleinen, unspektakulären Bewegungen kann man viel in Bewegung setzen. Bei Bluthochdruck, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Rückenschmerzen und nicht organisch bedingten Herzrhythmusstörungen ist Yoga sehr effektiv. Die meisten Patienten erleben nach wenigen Wochen des Übens eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome, nicht wenige berichten von völliger Beschwerdefreiheit. Menschen mit chronischen Erkrankungen berichten uns, dass sie durch das regelmäßige Üben mehr Energie haben und weniger Einschränkungen in ihrem Alltag erleben.
Wenn wir unterrichten, haben wir eine Dreiviertelstunde Zeit für jeden Einzelnen. Das ist sehr befriedigend, weil auf diese Weise eine echte Begegnung entsteht. Es ist so interessant zu erfahren, wie Menschen ihr Leben meistern, sich durch kleine Übungen verändern und wie viel Energie sie einsetzen, um ihr Leben zu verbessern. Wir machen übrigens immer klar, dass Yoga ein komplementäres Angebot ist. Die Fortschritte der naturwissenschaftlichen Medizin schätzen wir sehr und würden keinem Kranken raten, seine Tabletten wegzuwerfen und nur noch auf Yoga zu setzen. Es passiert allerdings oft, dass sich zum Beispiel der Blutdruck durch Yoga normalisiert und der Hausarzt von sich aus vorschlägt, die Medikamente niedriger zu dosieren. Wir wissen von vielen Arztkollegen, vor allem Orthopäden, dass sie sich darüber freuen, dass sie Patienten, die selbst initiativ werden wollen, zu uns schicken können. Für sie ist es eine Entlastung, dass es uns gibt.”
WILFRIED RAPPENECKER
Allgemeinmediziner und Leiter der Schule für Shiatsu in Hamburg
“Als junger Arzt landete ich zufällig während eines Urlaubs an der amerikanischen Westküste im Esalen-Institut, einer Art alternativem Bildungs- und Gesundheitszentrum. Dort habe ich erlebt, wie wohltuend und heilsam bestimmte Massagetechniken sein können. Der Wunsch, so etwas auch zu beherrschen, ließ mich nicht mehr los. Als Anfang der 80er Jahre der bekannte japanische Shiatsu-Meister Wataru Ohashi in Deutschland eine Ausbildung durchführte, ergriff ich die Gelegenheit und begann, mich neben der Arbeit als Anästhesist an einem Berliner Krankenhaus zum Shiatsu-Therapeuten ausbilden zu lassen.
Durch diese fernöstliche Körperarbeit hat sich mir eine äußerst spannende Welt eröffnet, eine ganz neue Art des Behandelns, die ich als Arzt bis dahin nicht kannte. Vor allem gepackt hat mich die intensive, tiefe Form der Berührung, die mit dieser Methode möglich ist. Ich glaube, dass Berührung eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen ist, innerhalb und außerhalb der Schulmedizin. Berühren ist kein esoterisches ‘Wallewalle’ und weit mehr als ‘Wellness’. Es ist eine wichtige Diagnosemöglichkeit und ein ernst zu nehmendes Therapeutikum, das viel besser erforscht werden müsste. Stattdessen lernen junge Ärzte heute immer seltener, mit ihren Händen zu diagnostizieren. Mich hat immer gestört, dass wir im Medizinstudium nicht erfahren haben, wie wir Menschen bei Alltagsbeschwerden wie beispielsweise Erkältungen, Rücken- oder Kopfschmerzen helfen können. Shiatsu kann dafür eine erstaunlich wirkungsvolle Methode sein. Man kann damit den Menschen in der Tiefe erreichen, sowohl körperlich als auch seelisch. Der Behandelte erfährt bei tiefer Berührung sich selbst und erlebt häufig ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Aber nicht die Berührung allein macht den Effekt, auch die Beziehung zwischen Patient und Behandler ist von entscheidender Bedeutung. Beide müssen miteinander in Resonanz treten. Wenn Berührung heilend sein soll, dann muss der Mensch, der berührt wird, das Gefühl haben, er kann seinem Gegenüber vertrauen. Shiatsu kann ähnlich wie die Akupunktur bei vielen Schmerzzuständen wie Rückenschmerzen, Kopf- oder Gelenkschmerzen oder bei funktionellen Störungen zum Beispiel der Atem- und der Verdauungsorgane viel bewirken und braucht dabei den Vergleich mit der Schulmedizin nicht zu scheuen. Es kann sie nicht ersetzen, aber eine wertvolle Ergänzung sein, selbst als unterstützende Behandlung von Schwerkranken. Während einer Chemotherapie kann es beispielsweise helfen, besser mit der damit verbundenen Übelkeit fertig zu werden. Zudem hat die Methode auch eine sehr positive Wirkung bei psychischen Problemen, zum Beispiel bei der Behandlung traumatisierter Menschen, bei Angstzuständen oder in Lebenskrisen. Die Arbeit mit Shiatsu lässt mich die Welt anders sehen. So habe ich ein völlig neues Verständnis von Krankheit und Gesundheit gewonnen. Ich verstehe Schmerz und das große Leid, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren, sehr anders, sehr viel optimistischer als in meiner Zeit als Schulmediziner. Es dauert länger, ein guter Shiatsu Therapeut zu werden als etwa ein guter Akupunkteur. Denn es geht darum, die individuelle Situation des Patienten zu erkennen und die Behandlung danach auszurichten. Dafür ist meist größere Erfahrung nötig. Wer die Methode beherrscht, kann mit ihr sehr viel intensiver behandeln als etwa mit den verschiedenen Massagemethoden. Das bekommt man als Rückmeldung von den Patienten. Durch die tiefe Berührung werden die Menschen in Kontakt gebracht mit tiefen Seiten ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensgeschichte.”
KLAUS-DIETER PLATSCH
Facharzt für Innere Medizin, Chinesiche Medizin und Psychotherapie in Bad Endorf, Bayern
“In meiner ersten internistischen Praxis in Berlin – heute praktiziere ich am Chiemsee in Oberbayern – merkte ich schnell, dass Medikamente nicht die alleinige Antwort auf eine Krankheit sein können. Mir wurde durch die Gespräche mit den Patienten klar, dass Krankheit auch etwas mit den aktuellen Lebensverhältnissen und der Geschichte der Menschen zu tun hat. Damit wollte ich mich intensiver beschäftigen.
Die Schulmedizin betrachtet den Körper wie eine Maschine, die man durch äußere Einwirkung reparieren kann. Die chinesische Medizin hingegen sieht den Menschen nicht nur in seiner materiellen Dimension, sondern als Einheit von Körper, Geist und Seele. Was diese drei Ebenen miteinander verbindet, ist das Energieprinzip. Wenn ich körperlich krank bin, kann sich das auf der psychischen oder seelischen Ebene auswirken. Wenn ich ein emotionales Problem habe, kann sich das auch körperlich zeigen. Die Chinesen haben durch eine unglaubliche Beobachtungsgabe herausgefunden, dass bestimmte Energiesysteme im Körper mit ganz bestimmten Emotionen im Zusammenhang stehen. Das Energiesystem der Niere zum Beispiel steht in Verbindung mit dem Gefühl der Angst, aber auch mit dem Rücken und den Knochen. Alles, was sprichwörtlich an die Nieren geht, kann sich in Rückenschmerzen äußern. Bei Rückenbeschwerden versuche ich, das Energiesystem, das mit der Niere verbunden ist, durch Heilkräuter und Akupunktur zu stabilisieren. Dadurch verschwindet auch das Schmerzsymptom. Gerade bei Rückenschmerzen kommt die Schulmedizin an ihre Grenzen. Wir wissen heute, dass das Röntgenbild in diesen Fragen kaum aussagekräftig ist. Dort können Anzeichen von Arthrose oder gravierende Abnutzungen zu sehen sein, aber der entsprechende Mensch hat überhaupt keine Schmerzen. Bei anderen Patienten hingegen sind die Röntgenbilder völlig in Ordnung, doch sie haben massive Beschwerden. Der organische Befund und das Befinden sind zweierlei. Die chinesische Medizin ist eine Medizin des Befindens und nicht von objektiven Befunden. Wie ich mich fühle, was ich für subjektive Beschwerden habe, ist entscheidend. Der Arzt muss sich hineinfühlen in den Patienten und wahrnehmen, was seine Fragestellungen und Probleme sind. Die Informationen, die zwischen Arzt und Patient fließen, sind aus meiner Sicht entscheidend für den Heilungsprozess. Es muss eine Begegnung auf Augenhöhe sein, die von Respekt, Akzeptanz und Liebe getragen ist. Jede Art von Medizin hat ihren Platz. Ich schätze die Schulmedizin sehr. Wenn zum Beispiel ein Leiden operativ besser behandelt werden kann als mit einem alternativen Heilverfahren, rate ich zur Operation. Aber es gibt Beschwerden und Krankheiten, die die Möglichkeiten der Schulmedizin überschreiten. Da wünsche ich mir eine offenere Haltung. Weder die Schulmedizin noch die Alternativmedizin ist allwissend. Aber wir können und müssen uns um unserer Patienten willen ergänzen und zusammenarbeiten.”
ANGELA BÜRMANN-PLÜMPE
Fachärztin für Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie und Hypnoseärztin in Berlin
“Das Faszinierende am Hypnose ist, dass man mit ganz wenigen Sitzungen groge Erfolge erzielen kann. Durch Hypnose kommt der Patient in einen Trancezustand wie kurz vor dem Einschlafen. In diesem Zustand ist das Unterbewusstsein sehr rege und aufnahmebereit für Lösungen. Und plötzlich kann man entspannt in ein Flugzeug steigen, obwohl man im wahren Leben Panikanfälle und Schweißausbrüche bekommt.
Kommt der Behandelte aus der Hypnose heraus, weiß er: Eigentlich kann ich es. Ich habe es ja gerade in meiner Vorstellung erlebt. Zu sehen, wie Menschen mithilfe dieser Entspannungstechnik ihre Souveränität wiedergewinnen und mutig neue Schritte wagen, finde ich immer wieder beglückend. Warum soll jemand eine langwierige Verhaltenstherapie machen, wenn drei Hypnosesitzungen genauso wirksam sind? Mein Interesse für diese Methode wurde durch Autogenes Training geweckt. Als Studentin hatte ich Prüfungsangst. Doch dank der Tiefenentspannungsmethode konnte ich die Prüfungen souverän meistern und merkte, dass ich auch in anderen Stresssituationen überraschend gelassen war. Für mich war sofort klar: Das will ich lernen und weitergeben. Als Ärztin für Neurologie habe ich gleich nach meiner Weiterbildung angefangen, Autogenes Training und Hypnose im Krankenhaus anzubieten. Meine Kollegen waren darüber sehr froh. Ärztliche Hypnose hat nichts mit Showhypnose zu tun, in der Menschen dazu gebracht werden, barfuß über Scherben zu laufen, damit das Publikum johlt. Hypnose ist ein Heilverfahren, das vor allem bei phobischen Ängsten wie Flugangst, Prüfungsangst oder Höhenangst sehr effektiv ist. Ein ausführliches Vorgespräch, in dem sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann, ist ganz wichtig. Darin kläre ich auch, ob jemand Befürchtungen oder Vorurteile hat und warum er überhaupt zu mir kommt. Wenn mir ein Mann erzählt, dass er mit dem Rauchen aufhören will, weil der Hausarzt ihn schickt oder seine Frau ihm Druck macht, wird die Hypnose nicht funktionieren. Die Patienten müssen eine starke eigene Motivation mitbringen. Die Verantwortung abgeben und sagen: “Frau Doktor, machen Sie mal”, das geht nicht. Sagt mir jemand im Vorgespräch, dass er davon träumt, einen Marathon zu laufen, baue ich das in die Hypnose ein und lasse ihn glücklich, kraftvoll und mit freier Lunge laufen. Eine schwangere Frau, die mit dem Rauchen aufhören will, lasse ich das Baby im Arm halten und selig an ihm schnüffeln. Meine Kreativität ist gefragt, das gefällt mir daran. Hypnose ist für mich eine optimale Ergänzung zur Schulmedizin. Patienten, die Neurodermitis haben und unter starkem Juckreiz leiden, lasse ich in Trance in ein heilendes, kühles Wasser steigen. Fühlt sich die Haut kühl an, verschwindet das Brennen. Hypnose ist sicher kein Heilmittel für Allergien, aber sie stabilisiert das Immunsystem und kann Beschwerden lindern. Asthmatiker zum Beispiel können lernen, dass sie während eines Anfalls keine Todesangst haben müssen. Anfangs habe ich Hypnose in meine Klinik- und Praxisarbeit integriert. Doch nach den Veränderungen aufgrund der Gesundheitsreform stellte sich immer mehr das Gefühl ein, fast nur noch mit Verwaltung und Abrechnung beschäftigt zu sein. Für die Arbeit mit den Patienten blieb kaum Zeit. Deshalb habe ich meine kassenärztliche Praxis verkauft und konzentriere mich seitdem voll und ganz auf Hypnosetherapie und die Weiterbildung von Ärzten und Psychologen in dieser wunderbaren Entspannungstechnik.”
THOMAS SCHMITT
Arzt für Allgemeinmedizin, Palliativmedizin und Psychoonkologie, führt eine ärztlich-schamanische Ambulanz in Wien
“Auf Wunsch eines schwer krebskranken Patienten habe ich vor einiger Zeit ein schamanisches Ritual ermöglicht. Das hat sich herumgesprochen. Überraschenderweise waren in der Folge immer mehr Patienten an solch einer Erfahrung interessiert. Ich merkte, dass die Zusammenarbeit mit den Schamanen sich auch günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkte. Daraus entstand schließlich die
Idee, regelmäßig, einmal pro Woche, eine ,Ärztlich-schamanische Ambulanz für Krebsbetroffene’ einzurichten.In der ersten Stunde sitzt der Patient mit einem Arzt und einem Schamanen zusammen und bespricht seine Situation. Fragen zur körperlichen Befindlichkeit und den schulmedizinischen und komplementären Therapien sind genauso Thema wie die psychische Befindlichkeit und das soziale Netz, in das der Patient eingebunden ist. Außerdem wird versucht, Kraftquellen des Patienten zu orten, wie Kreativität, Entspannung, Meditation, Visualisierung, Spiritualität und gesundheitsfördernde Lebensgestaltung. Besonders in den Bereichen Kreativität, Entspannung und Spiritualität liegt ein großes gesundheitsförderndes Potenzial. Aber auch Fragen, wie sich zum Beispiel die Ernährung verbessern lässt oder ob der Patient sich regelmäßig bewegt und ausreichend schläft, spielen eine Rolle. Bereits aus dieser Arbeit ergibt sich für den Kranken häufig eine Kliirung seinermomentanen Situation und der therapeutischen Möglichkeiten. Zusätzlich findet häufig auch der Schamane einen Ansatzpunkt, wie er Hilfe leisten kann. In der zweiten Stunde haben die Patienten die Möglichkeit, sich für die schamanische Unterstützung zu entscheiden – eine Voraussetzung ist, dass die Chemie zwischen Patient und Schamane stimmt. Bei dieser Behandlung führt der Schamane durch ein Ritual und versetzt sich und den Patienten meist durch monotones Trommeln oder Rasseln in eine leichte Trance. Dann begibt sich der Schamane auf eine innere Reise in eine ,nicht alltägliche Wirklichkeit’, während der Patient sich weiter in Trance entspannt. In einer ,unteren Welt’ kann der Schamane ,Krafttiere’ des Patienten suchen und ihm mitbringen, in einer ,oberen Welt’ Lehrer treffen, die Ratschläige oder konkrete Anweisungen erteilen. Von dort nimmt er Informationen oder Anregung für ein spezielles Heilritual für den Patienten mit. Beide Stunden sind für den Patienten kostenlos. Am Ende erhält er die Telefonnummer vom Arzt und vom Schamanen. Sollten Fragen oder Probleme auftauchen, kann er sich jederzeit Unterstützung holen. Natürlich ist mir klar, dass diese ungewöhnliche Kombination von Medizin und Schamanismus von einigen Kollegen als esoterisch gebrandmarkt werden wird. Im Sinne eines ganzheitlichen Arbeitens glaube ich aber an das Konzept. Ob die Zusammenarbeit wirklich sinnvoll ist, wird ein Forschungsprojekt zeigen: Bis Ende des Jahres werden die Beobachtungen an rund 50 Patienten ausgewertet. Der Schamane ersetzt keinen Arzt, er eröffnet aber dem Kranken eine wichtige zusätzliche Dimension, die Macht seines Glaubens und die Unterstützung durch Krafttiere, Geister, Engel oder andere hilfreiche Mächte. Ich habe viele Menschen erlebt, die durch ihre inneren Glaubenssätze am Leben behindert wurden, und viele, die durch gefundene Glaubenssätze eine immense Kraft erleben durften, sodass sie dem Schicksal gut trotzen konnten. Der ganze Mensch wird bei diesem Ansatz angesprochen. Im Gegensatz dazu spaltet die Schulmedizin den Menschen in Körper. Geist und Seele. Die körperlichen Krankheiten behandelt sie exzellent, aber zeigen sich beim Menschen Gefühle als Ausdruck des Geistes und der Seele, ziehen sich viele Ärzte zurück. Schwere Krankheiten, wie die Diagnose Krebs, betreffen mich als ganzen Menschen, da ist meine Seele genauso krank wie mein Körper. In den Grenzbereichen der Medizin wie Onkologie, Palliativmedizin und im Hospiz wird diese Seite gut sichtbar. Palliativmedizin ist jener Bereich der Medizin, in dem Menschen. die aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr heilbar sind, auf ihrem weiteren Weg ganzheitlich gut ‘begleitet’ werden. Nicht mehr die Krankheit steht im Mittelpunkt,
sondern der Mensch mit seinen Lebenswünschen.”
KATRIN MONTAG
Fachärztin für Anästhesie und Homöopathie in Hamburg
“Dass man mit Homöopathie verblüffende Erfolge erzielen kann, habe ich als Jugendliche erfahren. Jahrelang litt ich unter einer schlimmen Sonnenallergie, die immer wiederkam. Weil ich wegen der starken Nebenwirkungen keine Antihistaminika mehr nehmen wollte, bin ich zur Homöopathin gegangen. Das Ergebnis war für mich so faszinierend, dass ich unbedingt verstehen wollte, was hinter
dieser Lehre steckt.In der Sonne geht es mir bis heute wunderbar. Auch meine Söhne habe ich, als sie klein waren, homöopathisch behandeln lassen und meinem Ältesten, der oft schmerzhafte eitrige Abszesse am Bein hatte, damit einen chirurgischen Eingriff erspart. Für ihn und für mich war es eine tolle Erfahrung zu merken, dass sein Körper es alleine schafft. Die homöopathische Behandlung aktiviert die Selbstheilungskräfte, das gefällt mir daran. Schon während meines Studiums kamen mir Bedenken an der Vorgehensweise der herkömmlichen Medizin. Man sollte einen Menschen nicht nur auf seine körperlichen Symptome reduzieren, um ihn dann ganz schnell wieder funktionsfähig zu machen. Das ist viel zu eng gedacht und bringt bestenfalls kurzfristige Erfolge. Nachdem ich fünf ]ahre als Anästhesistin im Krankenhaus gearbeitet hatte, wurde ich immer unzufriedener. Etwas Wichtiges fehlte mir, das ich damals nicht genau benennen konnte. Ich wollte dringend etwas Neues lernen. Da erinnerte ich mich wieder an meine positiven Erfahrungen mit der Homöopathie und entschied mich für eine berufsbegleitende Ausbildung. In der Homöopathie wird der ganze Mensch gesehen, nicht nur die vorgewölbte Bandscheibe, das kranke Herz oder die Entzündung im Hals. Genau das hat mir vorher in meiner Arbeit im Krankenhaus gefehlt. In meiner Praxis für klassische Homöopathie behandele ich nicht nur das aktuelle körperliche Symptom, sondern schaue mir genau an, in welcher Lebenssituation sich der Patient befindet. Hat er gerade eine schmerzhafte Trennung hinter sich oder Stress bei der Arbeit? Gibt es innere Konflikte oder äußere Veränderungen, die ihn belasten und die Mitauslöser sein können für seine Beschwerden? Bei chronischen Erkrankungen beziehe ich die ganze Biografie in die Behandlung mit ein. Ich nehme mir viel Zeit, Fragen zu stellen und mich einzufühlen. Zu mir kommen viele Menschen mit chronischen Leiden wie Hauterkrankungen, Migräne oder wiederkehrenden Infektionen. Oft haben sie eine Arzt-Odyssee hinter sich. Wenn meine Behandlung anschlägt und sich die Patienten dauerhaft stabilisieren, macht das nicht nur sie, sondern auch mich als behandelnde Ärztin zufrieden und glücklich.
Kinder reagieren sehr gut auf die Homöopathie, weil sie so vital und wandlungsfähig sind. Schwangere behandle ich sehr gerne damit, weil die Mittel ungefährlich für den Embryo sind. Weil es so viele homöopathische Arzneimittel gibt, habe ich die Chance, für jeden das optimal passende zu finden. Es ist eine sehr individuelle Medizin, angepasst an die Stärken, Schwächen, Bedürfnisse und Probleme des Einzelnen. Natürlich hat die Methode auch ihre Grenzen. Bei Bluthochdruck zum Beispiel, der zu dauerhaften Schädigungen des Gefäßsystems führen kann, sind wirksame und gut verträgliche schulmedizinische Medikamente ein Segen. Mit Homöopathie kann man zusätzlich unterstützen. Ich bin der Überzeugung, dass sich Schulmedizin und Homöopathie sehr gut ergänzen. Erscheint wieder eine Schlagzeile, dass Kügelchen angeblich nichts bewirken, bringt das die Homöopathie in Misskredit, was sie nicht verdient. Letztlich weiß niemand, wie Homöopathie funktioniert. Entscheidend ist, dass sie den Leuten etwas bringt. Und das erfahre ich jeden Tag.”


Deshalb haben wir gleich nach der Facharztausbildung 1987 eine Privatpraxis gegründet und setzen seitdem Yoga therapeutisch ein. Gleich im Erstgespräch machen wir klar, dass wir nicht ,die Gesundmacher sind’ und auch Yoga seine Grenzen hat. Wer zu uns kommt, sollte bereit sein, über einen längeren Zeitraum täglich etwa 20 Minuten Yoga zu praktizieren. Nur dann kann die Praxis ihre wohltuende Wirkung entfalten.
Durch diese fernöstliche Körperarbeit hat sich mir eine äußerst spannende Welt eröffnet, eine ganz neue Art des Behandelns, die ich als Arzt bis dahin nicht kannte. Vor allem gepackt hat mich die intensive, tiefe Form der Berührung, die mit dieser Methode möglich ist. Ich glaube, dass Berührung eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen ist, innerhalb und außerhalb der Schulmedizin. Berühren ist kein esoterisches ‘Wallewalle’ und weit mehr als ‘Wellness’. Es ist eine wichtige Diagnosemöglichkeit und ein ernst zu nehmendes Therapeutikum, das viel besser erforscht werden müsste. Stattdessen lernen junge Ärzte heute immer seltener, mit ihren Händen zu diagnostizieren. Mich hat immer gestört, dass wir im Medizinstudium nicht erfahren haben, wie wir Menschen bei Alltagsbeschwerden wie beispielsweise Erkältungen, Rücken- oder Kopfschmerzen helfen können. Shiatsu kann dafür eine erstaunlich wirkungsvolle Methode sein. Man kann damit den Menschen in der Tiefe erreichen, sowohl körperlich als auch seelisch. Der Behandelte erfährt bei tiefer Berührung sich selbst und erlebt häufig ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Aber nicht die Berührung allein macht den Effekt, auch die Beziehung zwischen Patient und Behandler ist von entscheidender Bedeutung. Beide müssen miteinander in Resonanz treten. Wenn Berührung heilend sein soll, dann muss der Mensch, der berührt wird, das Gefühl haben, er kann seinem Gegenüber vertrauen. Shiatsu kann ähnlich wie die Akupunktur bei vielen Schmerzzuständen wie Rückenschmerzen, Kopf- oder Gelenkschmerzen oder bei funktionellen Störungen zum Beispiel der Atem- und der Verdauungsorgane viel bewirken und braucht dabei den Vergleich mit der Schulmedizin nicht zu scheuen. Es kann sie nicht ersetzen, aber eine wertvolle Ergänzung sein, selbst als unterstützende Behandlung von Schwerkranken. Während einer Chemotherapie kann es beispielsweise helfen, besser mit der damit verbundenen Übelkeit fertig zu werden. Zudem hat die Methode auch eine sehr positive Wirkung bei psychischen Problemen, zum Beispiel bei der Behandlung traumatisierter Menschen, bei Angstzuständen oder in Lebenskrisen. Die Arbeit mit Shiatsu lässt mich die Welt anders sehen. So habe ich ein völlig neues Verständnis von Krankheit und Gesundheit gewonnen. Ich verstehe Schmerz und das große Leid, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren, sehr anders, sehr viel optimistischer als in meiner Zeit als Schulmediziner. Es dauert länger, ein guter Shiatsu Therapeut zu werden als etwa ein guter Akupunkteur. Denn es geht darum, die individuelle Situation des Patienten zu erkennen und die Behandlung danach auszurichten. Dafür ist meist größere Erfahrung nötig. Wer die Methode beherrscht, kann mit ihr sehr viel intensiver behandeln als etwa mit den verschiedenen Massagemethoden. Das bekommt man als Rückmeldung von den Patienten. Durch die tiefe Berührung werden die Menschen in Kontakt gebracht mit tiefen Seiten ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensgeschichte.”
Die Schulmedizin betrachtet den Körper wie eine Maschine, die man durch äußere Einwirkung reparieren kann. Die chinesische Medizin hingegen sieht den Menschen nicht nur in seiner materiellen Dimension, sondern als Einheit von Körper, Geist und Seele. Was diese drei Ebenen miteinander verbindet, ist das Energieprinzip. Wenn ich körperlich krank bin, kann sich das auf der psychischen oder seelischen Ebene auswirken. Wenn ich ein emotionales Problem habe, kann sich das auch körperlich zeigen. Die Chinesen haben durch eine unglaubliche Beobachtungsgabe herausgefunden, dass bestimmte Energiesysteme im Körper mit ganz bestimmten Emotionen im Zusammenhang stehen. Das Energiesystem der Niere zum Beispiel steht in Verbindung mit dem Gefühl der Angst, aber auch mit dem Rücken und den Knochen. Alles, was sprichwörtlich an die Nieren geht, kann sich in Rückenschmerzen äußern. Bei Rückenbeschwerden versuche ich, das Energiesystem, das mit der Niere verbunden ist, durch Heilkräuter und Akupunktur zu stabilisieren. Dadurch verschwindet auch das Schmerzsymptom. Gerade bei Rückenschmerzen kommt die Schulmedizin an ihre Grenzen. Wir wissen heute, dass das Röntgenbild in diesen Fragen kaum aussagekräftig ist. Dort können Anzeichen von Arthrose oder gravierende Abnutzungen zu sehen sein, aber der entsprechende Mensch hat überhaupt keine Schmerzen. Bei anderen Patienten hingegen sind die Röntgenbilder völlig in Ordnung, doch sie haben massive Beschwerden. Der organische Befund und das Befinden sind zweierlei. Die chinesische Medizin ist eine Medizin des Befindens und nicht von objektiven Befunden. Wie ich mich fühle, was ich für subjektive Beschwerden habe, ist entscheidend. Der Arzt muss sich hineinfühlen in den Patienten und wahrnehmen, was seine Fragestellungen und Probleme sind. Die Informationen, die zwischen Arzt und Patient fließen, sind aus meiner Sicht entscheidend für den Heilungsprozess. Es muss eine Begegnung auf Augenhöhe sein, die von Respekt, Akzeptanz und Liebe getragen ist. Jede Art von Medizin hat ihren Platz. Ich schätze die Schulmedizin sehr. Wenn zum Beispiel ein Leiden operativ besser behandelt werden kann als mit einem alternativen Heilverfahren, rate ich zur Operation. Aber es gibt Beschwerden und Krankheiten, die die Möglichkeiten der Schulmedizin überschreiten. Da wünsche ich mir eine offenere Haltung. Weder die Schulmedizin noch die Alternativmedizin ist allwissend. Aber wir können und müssen uns um unserer Patienten willen ergänzen und zusammenarbeiten.”
Kommt der Behandelte aus der Hypnose heraus, weiß er: Eigentlich kann ich es. Ich habe es ja gerade in meiner Vorstellung erlebt. Zu sehen, wie Menschen mithilfe dieser Entspannungstechnik ihre Souveränität wiedergewinnen und mutig neue Schritte wagen, finde ich immer wieder beglückend. Warum soll jemand eine langwierige Verhaltenstherapie machen, wenn drei Hypnosesitzungen genauso wirksam sind? Mein Interesse für diese Methode wurde durch Autogenes Training geweckt. Als Studentin hatte ich Prüfungsangst. Doch dank der Tiefenentspannungsmethode konnte ich die Prüfungen souverän meistern und merkte, dass ich auch in anderen Stresssituationen überraschend gelassen war. Für mich war sofort klar: Das will ich lernen und weitergeben. Als Ärztin für Neurologie habe ich gleich nach meiner Weiterbildung angefangen, Autogenes Training und Hypnose im Krankenhaus anzubieten. Meine Kollegen waren darüber sehr froh. Ärztliche Hypnose hat nichts mit Showhypnose zu tun, in der Menschen dazu gebracht werden, barfuß über Scherben zu laufen, damit das Publikum johlt. Hypnose ist ein Heilverfahren, das vor allem bei phobischen Ängsten wie Flugangst, Prüfungsangst oder Höhenangst sehr effektiv ist. Ein ausführliches Vorgespräch, in dem sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann, ist ganz wichtig. Darin kläre ich auch, ob jemand Befürchtungen oder Vorurteile hat und warum er überhaupt zu mir kommt. Wenn mir ein Mann erzählt, dass er mit dem Rauchen aufhören will, weil der Hausarzt ihn schickt oder seine Frau ihm Druck macht, wird die Hypnose nicht funktionieren. Die Patienten müssen eine starke eigene Motivation mitbringen. Die Verantwortung abgeben und sagen: “Frau Doktor, machen Sie mal”, das geht nicht. Sagt mir jemand im Vorgespräch, dass er davon träumt, einen Marathon zu laufen, baue ich das in die Hypnose ein und lasse ihn glücklich, kraftvoll und mit freier Lunge laufen. Eine schwangere Frau, die mit dem Rauchen aufhören will, lasse ich das Baby im Arm halten und selig an ihm schnüffeln. Meine Kreativität ist gefragt, das gefällt mir daran. Hypnose ist für mich eine optimale Ergänzung zur Schulmedizin. Patienten, die Neurodermitis haben und unter starkem Juckreiz leiden, lasse ich in Trance in ein heilendes, kühles Wasser steigen. Fühlt sich die Haut kühl an, verschwindet das Brennen. Hypnose ist sicher kein Heilmittel für Allergien, aber sie stabilisiert das Immunsystem und kann Beschwerden lindern. Asthmatiker zum Beispiel können lernen, dass sie während eines Anfalls keine Todesangst haben müssen. Anfangs habe ich Hypnose in meine Klinik- und Praxisarbeit integriert. Doch nach den Veränderungen aufgrund der Gesundheitsreform stellte sich immer mehr das Gefühl ein, fast nur noch mit Verwaltung und Abrechnung beschäftigt zu sein. Für die Arbeit mit den Patienten blieb kaum Zeit. Deshalb habe ich meine kassenärztliche Praxis verkauft und konzentriere mich seitdem voll und ganz auf Hypnosetherapie und die Weiterbildung von Ärzten und Psychologen in dieser wunderbaren Entspannungstechnik.”
In der ersten Stunde sitzt der Patient mit einem Arzt und einem Schamanen zusammen und bespricht seine Situation. Fragen zur körperlichen Befindlichkeit und den schulmedizinischen und komplementären Therapien sind genauso Thema wie die psychische Befindlichkeit und das soziale Netz, in das der Patient eingebunden ist. Außerdem wird versucht, Kraftquellen des Patienten zu orten, wie Kreativität, Entspannung, Meditation, Visualisierung, Spiritualität und gesundheitsfördernde Lebensgestaltung. Besonders in den Bereichen Kreativität, Entspannung und Spiritualität liegt ein großes gesundheitsförderndes Potenzial. Aber auch Fragen, wie sich zum Beispiel die Ernährung verbessern lässt oder ob der Patient sich regelmäßig bewegt und ausreichend schläft, spielen eine Rolle. Bereits aus dieser Arbeit ergibt sich für den Kranken häufig eine Kliirung seinermomentanen Situation und der therapeutischen Möglichkeiten. Zusätzlich findet häufig auch der Schamane einen Ansatzpunkt, wie er Hilfe leisten kann. In der zweiten Stunde haben die Patienten die Möglichkeit, sich für die schamanische Unterstützung zu entscheiden – eine Voraussetzung ist, dass die Chemie zwischen Patient und Schamane stimmt. Bei dieser Behandlung führt der Schamane durch ein Ritual und versetzt sich und den Patienten meist durch monotones Trommeln oder Rasseln in eine leichte Trance. Dann begibt sich der Schamane auf eine innere Reise in eine ,nicht alltägliche Wirklichkeit’, während der Patient sich weiter in Trance entspannt. In einer ,unteren Welt’ kann der Schamane ,Krafttiere’ des Patienten suchen und ihm mitbringen, in einer ,oberen Welt’ Lehrer treffen, die Ratschläige oder konkrete Anweisungen erteilen. Von dort nimmt er Informationen oder Anregung für ein spezielles Heilritual für den Patienten mit. Beide Stunden sind für den Patienten kostenlos. Am Ende erhält er die Telefonnummer vom Arzt und vom Schamanen. Sollten Fragen oder Probleme auftauchen, kann er sich jederzeit Unterstützung holen. Natürlich ist mir klar, dass diese ungewöhnliche Kombination von Medizin und Schamanismus von einigen Kollegen als esoterisch gebrandmarkt werden wird. Im Sinne eines ganzheitlichen Arbeitens glaube ich aber an das Konzept. Ob die Zusammenarbeit wirklich sinnvoll ist, wird ein Forschungsprojekt zeigen: Bis Ende des Jahres werden die Beobachtungen an rund 50 Patienten ausgewertet. Der Schamane ersetzt keinen Arzt, er eröffnet aber dem Kranken eine wichtige zusätzliche Dimension, die Macht seines Glaubens und die Unterstützung durch Krafttiere, Geister, Engel oder andere hilfreiche Mächte. Ich habe viele Menschen erlebt, die durch ihre inneren Glaubenssätze am Leben behindert wurden, und viele, die durch gefundene Glaubenssätze eine immense Kraft erleben durften, sodass sie dem Schicksal gut trotzen konnten. Der ganze Mensch wird bei diesem Ansatz angesprochen. Im Gegensatz dazu spaltet die Schulmedizin den Menschen in Körper. Geist und Seele. Die körperlichen Krankheiten behandelt sie exzellent, aber zeigen sich beim Menschen Gefühle als Ausdruck des Geistes und der Seele, ziehen sich viele Ärzte zurück. Schwere Krankheiten, wie die Diagnose Krebs, betreffen mich als ganzen Menschen, da ist meine Seele genauso krank wie mein Körper. In den Grenzbereichen der Medizin wie Onkologie, Palliativmedizin und im Hospiz wird diese Seite gut sichtbar. Palliativmedizin ist jener Bereich der Medizin, in dem Menschen. die aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr heilbar sind, auf ihrem weiteren Weg ganzheitlich gut ‘begleitet’ werden. Nicht mehr die Krankheit steht im Mittelpunkt,
In der Sonne geht es mir bis heute wunderbar. Auch meine Söhne habe ich, als sie klein waren, homöopathisch behandeln lassen und meinem Ältesten, der oft schmerzhafte eitrige Abszesse am Bein hatte, damit einen chirurgischen Eingriff erspart. Für ihn und für mich war es eine tolle Erfahrung zu merken, dass sein Körper es alleine schafft. Die homöopathische Behandlung aktiviert die Selbstheilungskräfte, das gefällt mir daran. Schon während meines Studiums kamen mir Bedenken an der Vorgehensweise der herkömmlichen Medizin. Man sollte einen Menschen nicht nur auf seine körperlichen Symptome reduzieren, um ihn dann ganz schnell wieder funktionsfähig zu machen. Das ist viel zu eng gedacht und bringt bestenfalls kurzfristige Erfolge. Nachdem ich fünf ]ahre als Anästhesistin im Krankenhaus gearbeitet hatte, wurde ich immer unzufriedener. Etwas Wichtiges fehlte mir, das ich damals nicht genau benennen konnte. Ich wollte dringend etwas Neues lernen. Da erinnerte ich mich wieder an meine positiven Erfahrungen mit der Homöopathie und entschied mich für eine berufsbegleitende Ausbildung. In der Homöopathie wird der ganze Mensch gesehen, nicht nur die vorgewölbte Bandscheibe, das kranke Herz oder die Entzündung im Hals. Genau das hat mir vorher in meiner Arbeit im Krankenhaus gefehlt. In meiner Praxis für klassische Homöopathie behandele ich nicht nur das aktuelle körperliche Symptom, sondern schaue mir genau an, in welcher Lebenssituation sich der Patient befindet. Hat er gerade eine schmerzhafte Trennung hinter sich oder Stress bei der Arbeit? Gibt es innere Konflikte oder äußere Veränderungen, die ihn belasten und die Mitauslöser sein können für seine Beschwerden? Bei chronischen Erkrankungen beziehe ich die ganze Biografie in die Behandlung mit ein. Ich nehme mir viel Zeit, Fragen zu stellen und mich einzufühlen. Zu mir kommen viele Menschen mit chronischen Leiden wie Hauterkrankungen, Migräne oder wiederkehrenden Infektionen. Oft haben sie eine Arzt-Odyssee hinter sich. Wenn meine Behandlung anschlägt und sich die Patienten dauerhaft stabilisieren, macht das nicht nur sie, sondern auch mich als behandelnde Ärztin zufrieden und glücklich.