Die Kraft der inneren Bilder
Was wir uns im Geiste vorstellen, kann unseren Körper genauso stark aktivieren wie unsere Handlungen.
Diese Vernetzung können wir nutzen, um Einstellungen und Befindlichkeiten ins Positive zu wenden. Zunehmend schöpfen auch Therapeuten aus diesem Fundus im Kopf.
erschienen in: Stern Gesund Leben 10/2007
Text: Birgit Schönberger
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Bevor die Malerin Karotine Koeppel zum ersten Mal den Pinsel ansetzt, ist das Bild in ihrem Kopf längst fertig. Auf ihrer inneren Leinwand sieht sie jedes Detail scharf wie auf einem Foto: das leuchtende pinkfarbene Kleid der Bauchtänzerin, den ekstatischen Blick, die Barbiepuppen am Boden, die die Rubensfrau beim Tanzen lustvoll zertritt. Taucht ein Bild in ihr auf, geht die 44-jährige Künstlerin so schnell wie möglich ins Atelier und fängt an zu skizzieren. Wochen oder Monate später ist aus dem inneren Bild ein reales geworden. Was Karoline Koeppel in ihrem Atelier macht, tun wir alle unbewusst. “Wir arbeiten ständig mit inneren Bildern. Wir machen uns nur nicht bewusst, welches Potenzial darin steckt”, sagt die schwäbische Ärztin und Psychoanalytikerin Luise Reddemann, die sich seit Jahren intensiv mit der Kraft der Imagination beschäftigt. Wenn wir Freunden vom letzten Urlaub erzählen, aktivieren wir im Kopf sofort ein Bild von den saftig-grünen Voralpenhängen oder dem in der Abendsonne schimmernden Dorf am Meer. Sich erinnern ist nichts anderes als Imaginieren. Luise Reddemann beschreibt die Vorstellungskraft als Zaubermittel, das uns in jedem Augenblick zur Verfügung steht. An einem tristen Novembertag können wir die aufkommende Melancholie vertreiben, indem wir die Augen schließen, uns kraft unserer Fantasie an unseren Lieblingsstrand versetzen und ihn innerlich so lange ausmalen, bis alles stimmt: der Türkiston des Wassers, die Boote, die auf den Wellen schaukeln, die Sonne, die genauso steht, wie es für uns angenehm ist. Sofort beginnt der Körper, sich zu entspannen. Die Durchblutung wird angeregt, die Haut fühlt sich warm an und kribbelt, auch wenn die Sonne nur im Kopf scheint.
Wenn wir uns etwas vorstellen, sind im Gehirn dieselben Zellen aktiv wie dann, wenn wir es tatsächlich tun. Beschäftigt sich etwa ein Pianist oder Geiger intensiv mit seiner Partitur, werden im Moment des Lesens exakt die motorischen Zellen aktiviert, die er braucht, um das Stück tatsächlich zu spielen. “Innere Bilder sind Verschaltungsmuster von Nervenzellen, die sich einmal herausgebildet haben und auf die man zurückgreifen kann”, sagt Gerald Hüther, leitender Professor der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Sportler nutzen die Vorstellungskraft schon lange, um sich gezielt auf Wettkämpfe vorzubereiten. Als die heute 2I-jährige Kunstturnerin Yvonne Musik zum ersten Mal mit Imagination arbeiten sollte, um ihren Abgang am Barren zu verbessern, war sie skeptisch. “lch dachte: Das kann doch nichts bringen.” Doch sie stand unter Druck. Sie wollte unbedingt an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teilnehmen, hatte aber im Qualifikationstraining jedes Mal die letzten Sekunden ihrer Übung verpatzt und war völlig blockiert. Im Mentaltraining lernte sie, sich neben den Barren zu legen, die Übung nur im Kopf zu turnen und das Bild jeder einzelnen Bewegungssequenz präzise aufzubauen. Anfangs, sagt sie, fühlte es sich merkwürdig an. Sie wollte die Übung hinter sich bringen und war immer viel zu schnell. “Nach ein paar Wochen hat es im Training plötzlich klick gemacht, und die Blockade war weg.” Seitdem schwört Yvonne Musik auf Mentaltraining und nutzt die Zeit, während sie die Hände bei einem Wettkampf mit Magnesium einreibt, für eine kurze Imagination. Als sie wegen eines Bänderrisses drei Wochen lang nicht trainieren durfte, machte sie alle Übungen nur im Kopf und war danach trotzdem topfit. Derzeit bereitet sie sich auf ein Comeback vor. Wenn sie einen Durchhänger hat, ruft sie sich die Bilder von Athen in Erinnerung, wie sie in der großen Arena steht, ihren Wettkampf turnt und anschließend mit anderen Athleten im olympischen Dorf feiert. Sofort ist sie wieder motiviert. Sobald im Gehirn ein inneres Bild von Erfolg abgespeichert ist, kann man darauf in jedem Moment zurückgreifen.
Coachs bereiten ihre Klienten mithilfe innerer Bilder auf ein wichtiges Bewerbungsgespräch, einen schwierigen Vortrag oder andere aufregende Situationen vor: Sie sollen sich an einen vergangenen Erfolg erinnern, ihn sich in allen Einzelheiten vorstellen und das Bild dann mit einer kleinen Geste verbinden. Mithilfe dieser Geste kann das Gefühl dann auf Wunsch aktiviert werden. Der Effekt lässt sich auch ohne professionelle Unterstützung nutzen: Setzen Sie sich in einer ruhigen Stunde zu Hause hin und versetzen Sie sich in Gedanken zu einem Erfolgserlebnis, etwa einer tollen Präsentation, die alle begeistert beklatscht haben. Fragen Sie sich: Wie klang meine Stimme in diesem Moment? Welchen Gesichtsausdruck hatte ich? Wie hat sich mein Körper angefühlt? Was habe ich gedacht? Klären Sie das Bild für sich so gründlich, dass Sie es bei Bedarf abrufen können.
Auch Psychotherapeuten setzen die heilsame Kraft der Imagination ein. Luise Reddemann arbeitet gern mit der Vorstellung von einem Wohlfühlort: Sie regt ihre Patienten an, in ihrer Fantasie an einen Ort zu gehen, an dem sie sich rundum wohlfühlen. Das kann der Lieblingsplatz aus der Kindheit hoch oben im Baum sein, der Gipfel eines Berges, den man einmal voller Stolz erklommen hat, eine Lichtung im Wald, ein Strand, an den man schöne Erinnerungen hat, oder eine erfundene Umgehung. Die Imagination eines guten Ortes kann mehr bewirken als wohlige Entspannung. Im Idealfall durchströmt uns ein Gefühl der Stärke und Zuversicht, das wiederum hilft, heilsame Entscheidungen zu treffen und in eine neue Richtung aktiv zu werden. Fast alle Körperprozesse werden durch sogenannte subkortikale Zentren im Hirn gesteuert. “Eigentlich sind unsere Körperregulationsmechanismen wunderbar”, sagt der Göttinger Neurobiologe Hüther. “Sie könnten ihren Job hervorragend machen, wenn wir sie nicht so furchtbar durcheinanderbringen würden mit unserem Druck, unseren Zwängen und der Art und Weise, wie wir unseren Körper dauernd abwerten.” Deshalb sei alles hilfreich, was die tieferen Bereiche des Gehirns entlaste und zur Ruhe bringe. Genau auf dieser Ebene wirken Imaginationen. Wer Herzprobleme hat, kann demnach zum Beispiel mit der Vorstellung, dass er sein Herz liebevoll umarmt und pflegt, dem limbischen System im Gehirn helfen, seine Arbeit zu machen. Wer unter Rückenschmerzen leidet, kann sich vorstellen, wie sich ein Luftballon, der zwischen den Wirbeln sitzt, aufpumpt und Platz schafft. In der Regel bewirkt diese Imagination nicht nur subjektiv ein Gefühl von Entlastung, die Wirbelsäule richtet sich tatsächlich auf.
Welches Bild wohltuend ist, muss jeder für sich herausfinden. Es gibt archetypische Bilder, die Menschen seit Urzeiten überall auf der Welt ansprechen. Bäume zum Beispiel. Gerald Hüther hat beobachtet, dass es interessanterweise gerade nicht die schönen, dicken Bäume sind, die uns anziehen, sondern die verkrüppelten, die einsam auf einem Felsen stehen. Wasser ist auch ein Urbild. Vielen Menschen tut es in Stresssituationen gut, sich einen Wasserfall vorzustellen, das Meer oder einen Fluss. Wer trotz aller Beweise, die die Hirnforschung für die Macht der inneren Bilder liefert, immer noch skeptisch ist, dem schlägt Luise Reddemann einen einfachen Test vor: Denken Sie an etwas Unerfreuliches, und nehmen Sie wahr, wie sich das auf Ihren Körper auswirkt. Wie atmen Sie? Wie ist der Puls? Wie ist der Muskeltonus? Und jetzt denken Sie an etwas Schönes. Wie fühlt sich Ihr Körper jetzt an? Das Ergebnis ist bei allen Menschen gleich. Bei den unangenehmen Bildern wird die Atmung flach, der Puls geht schneller, die Muskeln verkrampfen sich. Das angenehme Bild verlangsamt den Atem, die Muskeln lockern sich, der Puls kommt zur Ruhe. Müssen wir uns immer nur etwas Schönes vorstellen, und schon geht es uns gut? “Natürlich nicht”, antwortet Luise Reddemann. ” Aber wenn ich mir immer nur Unerfreuliches vorstelle, muss ich mich nicht wundern, wenn ich mich schlecht fühle.” Wer ohnehin belastet ist, findet oft keinen Ausstieg mehr aus dem Sorgenkarussell, hat nur noch belastende Bilder im Kopf und stellt sich vor, was noch alles schiefgehen könnte. “Deshalb mache ich Menschen Mut, sich auch mit dem Heilsamen zu beschäftigen. Und dabei helfen gute innere Bilder sehr.”
Luise Reddemann spricht nicht nur aus therapeutischer, sondern auch aus persönlicher Erfahrung. “Bis vor 20 Jahren war ich ein total pessimistischer Mensch. Meine Gedanken und Bilder drehten sich ständig um das, was schrecklich und schlecht war.” Irgendwann hatte sie davon die Nase voll und sehnte sich nach einern leichteren Leben. “Dann habe ich verstanden, dass es nur leichter wird, wenn ich mich auch mit dem Leichten und Mühelosen beschäftige.” Aber das brauche eine klare Entscheidung. Es sei wie beim Muskeltraining: “Wenn wir den rechten Bizeps stark machen wollen, nutzt es nichts, wenn wir den linken trainieren. Genauso ist es mit den inneren Bildern. Wenn ich das Positive stärken will, darf ich mich nicht dauernd mit dem Negativen beschäftigen.” Neuere Ergebnisse der Hirnforschung belegen das. Beschäftigen wir uns ständig mit Unangenehmem, werden die Synapsen im Gehirn, die für unangenehme Gefühle zuständig sind, immer leistungsfähiger und die Synapsen, die für Zufriedenheit, Entspannung und Glück zuständig sind, immer schwächer.
Wie stark die Vorstellungskraft wirkt, beweist eine Untersuchung, die Gerald Hüther gern zitiert: Eine hochschwangere Frau wird gebeten, sich intensiv an ein belastendes Ereignis zu erinnern. An eine Trennung, den Tod eines Elternteils oder eine andere Stresssituation. Durch Ultraschall wird das Baby in ihrem Bauch beobachtet. In dem Augenblick, in dem die Frau das belastende Bild in ihrem Kopf hat, erstarrt der Fötus. Hüther: “Durch das Bild wird das alte Gefühl in ihr wach. Es entsteht eine Kontraktion wie bei Angst. Die Bauchdecke wird hart, das spürt das ungeborene Kind. Es fühlt sich förmlich zusammengedrückt und hört auf, sich zu bewegen.” Wie sehr Imaginationen wirken können, hat Sabine Schade* erfahren, als ihr Leben auf Messers Schneide stand. Im Jahr 2002, fünf Monate nach der Geburt ihrer Tochter. wurde bei ihr Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Mit jedem Arztbesuch wurde ihre Prognose schlechter. Nach der Operation weinte sie tagelang. Lhre Gedanken kreisten nur noch um Krankheit und Tod. “lch hatte das Gefühl, keine Chance zu haben.” Nur wenn ihr Mann mit ihrer Tochter zu Besuch kam und sie mit dem Baby spielte. konnte sie sich entspannen. Und wenn sie Kassetten hörte, die sie auf Fantasiereisen schickten. “Wenn ich danach aufgewacht bin, fühlte ich mich ruhig und zuversichtlich und dachte, ich könnte es schaffen”, sagt Schade. Doch immer wenn die Ärzte sie mit der Statistik konfrontierten. durchfuhr wieder der Zweifel sie wie ein Blitz: “Wie kann ich nur so vermessen sein zu glauben, dass ausgerechnet ich es überlebe, so schlimm wie es mich erwischt hat?”
Sabine Schade begann, mit einer Psychoonkologin zu arbeiten. Sie kannte die Bücher von Carl Simonton, dem Leiter eines Krebszentrums im kalifornischen Malibu. der bereits seit den 1970er Jahren mit Visualisierungen arbeitet. Anfangs empfahl der seinen Patienten, sich bewaffnete weiße Ritter vorzustellen, die die schwarzen Krebszellen mit ihren Schwertern vernichten. Von diesem martialischen Bild hat er sich inzwischen verabschiedet. Sabine Schade hatte sofort das Gefühl, dass sie ganz andere Bilder brauchte. “lch wusste. dass das nicht mein Weg sein kann. Ich habe immer die Ärmel hochgekrempelt und in meinem Leben viel gekämpft. Ich wollte nicht genauso weitermachen und schon wieder kämpfen.”
Unterstützt von ihrer Therapeutin malte sie im Kopf die Bilder. die für sie und ihren Krankheitstyp stimmten. Schades Ärzte hatten immer von Schleimseen gesprochen, die der Krebs bildet. “Leh habe mir diese Seen vorgestellt, auf denen die Krebsknoten schwimmen. Die Sonne scheint darauf, das Wasser verdunstet, die Knoten trocknen aus und zerbröseln zu Staub.” Wenn es ihr schlechter ging, aktivierte sie dieses innere Bild, manchmal mehrmals am Tag. Auch für die Chemotherapie entwickelte sie eine Imagination, die die Therapeutin ihr auf. Kassette sprach. Während das Medikament in ihren Körper hineinlief, schloss sie die Augen. “Ich habe mir vorgestellt, das meine gesunden Zellen sich mit rosa Atemluft füllen und das Medikament nur die kranken Zellen angreift und um die rosa markierten einen Bogen macht.” Unter der Bestrahlung malte sie sich aus, dass ihre gesunden Zellen durch einen Sonnenschirm geschützt wären und nur ein bisschen schwitzten.
Als sich der Krebs trotz Chemotherapie dreimal verschlimmerte und klar war, dass keine neue Operation infrage kam, ließ Schade sich mit Hormonen behandeln und visualisierte täglich, wie die Knoten zerbröseln. Tatsächlich verschwanden alte drei in einem Zeitraum von neun Monaten. Sie konnte tasten wie sie kleiner wurden. Der Arzt hatte ihr gesagt, das Äußerste, was sie erwarten könne, sei Stillstand. “Doch das war mir zu wenig. Ich wollte sie weghaben.” Heute geht es ihr gut. “Ich bin mir sicher, dass die Visualisierungen mir das Leben gerettet haben. Trotzdem würde ich nie sagen, dass man es selbst in der Hand hat, ob man gesund wird oder nicht:’ Visualisierungen und Fantasiereisen ersetzen natürlich keine medizinische Behandlung, aber sie können die Psyche stärken und den Heilungsprozess unterstützen. Deshalb arbeiten einige KIiniken neben anderen Angeboten wie Gesprächs- und Maltherapie auch mit geführten Imaginationen. Die Methode eigne sich allerdings nicht für jeden, sagt Luise Rcddcmann: “Wer denkt: ,Was für ein Quatsch’, für den ist sie auch nichts.” Sie fragt Patienten zunächst vorsichtig, ob sie sich als Kind gern an einen anderen Ort geträumt oder mit einem Engel gesprochen haben. Für kleine Kinder ist es völlig normal, unsichtbare Gefährten zu haben, die ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stehen und sie beschützen. Erwachsene machen sich gern darüber lustig. In Krisensituationen aber erinnern sich manche daran und stellen sich einen Schutzengel, ein Krafttier oder ein anderes hilfreiches Wesen vor, das ihnen einen Tipp gibt, wie sie aus der verfahrenen Situation heil herauskommen.
Selbst schwer traumatisierte Menschen, die immer wieder von quälenden Bildern überfallen werden, tragen in sich auch heilsame, die ein Gegengewicht dazu bilden können. Löschen lassen sich negative Bilder nicht einfach, das zeigt die Hirnforschung. Die Lebenskunst bestehe deshalb darin, die alten Bilder in einem neuen Licht zu betrachten, sagt Gerald Hüther. Denn Verschaltungsmuster im Gehirn ließen sich verändern. “Es gibt kein Leben ohne Krisen, Erschütterungen und schwerwiegende Misserfolge und Zusammenbrüche”, so der Hirnforscher. “Man darf sogar die Frage stellen, ob es möglich ist, dass Menschen weiter wachsen, wenn sie nicht hinfallen.” Nach seiner Erfahrung sind es gerade die Krisen, die uns unverwechselbar machen, weniger die Erfolge. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür hat der jüdische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl gegeben, der drei Konzentrationslager überlebt hat. Später erzählte er, dass ihm ein inneres Bild geholfen habe, nicht zusammenzubrechen. Während er im Lager war, stellte er sich immer wieder intensiv vor, einen Vortrag zu halten über seine Erfahrungen und ein Buch darüber zu schreiben. Sein Buch “… trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager”, das er sofort nach seiner Befreiung durch die Amerikaner in wenigen Tagen schrieb und in dem er für einen Weg der Versöhnung plädierte, wurde in vielen Ländern ein Bestseller. Wenn es gelinge, die alten Bilder in einem neuen Licht zu sehen, passiere etwas im Gehirn, sagt Gerald Hüther. .,Wir rufen das alte Gefühl noch einmal wach und koppeln es nicht mit dem Negativen, sondern mit dem Positiven, also mit dem, was wir dadurch gelernt und gewonnen haben.” Hüther empfiehlt, regel mäßig Inventur zu machen bei den inneren Bildern, uns auch klar zu machen, mit welchen Bildern von uns selbst wir durchs Leben laufen. Und uns zu fragen, ob sie noch aktuell sind. Kommen wir uns in manchen Situationen immer noch vor wie hilflose Vierjährige ? Dann ist es an der Zeit, einen Realitätscheck vorzunehmen: Bin ich immer noch so hilflos? Sollte ich nicht allmählich das Bild des ohnmächtigen Mädchens. das wie angewurzelt vor dem tobenden Vater steht, renovieren und ihm einen zeitgemäßen Anstrich geben? “Die äußere Welt können wir nicht immer verändern, aber wir können jederzeit eine andere innere Welt erschaffen”, sagt Luise Reddemann. Sie selbst liebe Sonnenauf- und -untergänge über alles. “Und wenn ich gerade keine erleben kann, stelle ich sie mir eben vor. Das wirkt genauso.”

